Die Geschichte unserer Kirche sowie Kunstwerke und die Orgel

Am Anfang des späteren Charlottenburg steht das Dorf Alt-Lietzow/Alt-Lützow. Hier zeigt eine Zeichnung aus dem 16. Jahrhundert ein kleines Kirchlein. Die heutige Kirche Alt-Lietzow ist die fünfte Kirche, die sich an dieser Stelle befindet. Die Form des zentralen Platzes mag ähnlich gewesen sein. An diesen Platz grenzten hölzerne Gehöfte, deren Wohnbereich zum Platz hinaus ging, an den sich ein Stallbereich anschloss. Hinter den Häusern begann das Feld. Hier bauten die Bauern für sich und den Grundherrn Gemüse und Getreide an. Das Kirchlein war Teil des Sprengels Teltow. Ein Pfarrer kam in regelmäßigen Abständen aus Wilmersdorf. Den Predigerweg, den er nahm, vollzieht heute die Leibniz-Straße nach. Das neue Schloss, das damals in sprachlicher Anlehnung an das Dorf die Lietzenburg genannt (die Lietzenburger Straße erinnert heute noch daran) wurde, stellte den zweiten Grundpfeiler des späteren Charlottenburg dar. Als nach dem Tod der preußischen Königin Sophie Charlotte die Siedlung um das Schloss und das Schloss selbst den Namen Charlottenburg erhielt, beschloss der König den Bau einer weiteren Kirche. Die Kirche in Alt-Lietzow reichte für die Bewohner des Dorfes, nicht aber für die Handwerker, Soldaten und Beamten, die sich im Dunstkreis des Hofes niedergelassen hatten.

Die erste Luisenkirche wurde 1712-1716 nach Plänen von Philipp Gerlach errichtet. Sie war eine Simultankirche, d.h. sie wurde von Reformierten und Lutheranern gleichermaßen genutzt.. Da der hölzerne Kirchturm beim Läuten schwankte, trug man ihn ab. 1823-1825 führte man nach Plänen Karl Friedrich Schinkels größere Umbauten durch, u.a. wurde ein quadratischer steinerner Kirchturm errichtet. 1826 erhielt die Kirche im Angedenken an die verstorbene Königin den Namen Luisenkirche. Im 19. und 20. Jh erfolgten eine Reihe von Umbauten und Renovierungen.

Nach Bombentreffern brannte die Kirche 1943 fast vollständig nieder. Ab 1951 begann die etappenweise Wiederherstellung unter Regie der Architekten Lagotz und Lehmann und Aufsicht des Landeskonservators Hinnerk Scheper. Veränderungen gab es im Kircheninnern und am Turm, der seitdem ein niedriges Pyramidendach besitzt. 1953 konnte die Wiedereinweihung gefeiert werden. 1968 baute man eine neue Orgel ein. Bei der Fassadensanierung 1976/1977 wurden der Kirche wieder die warmgelben Farbtöne der barocken Erbauungszeit zurückgegeben. 1987/1988 wurde der Innenraum von Jochen Langenheinicke in Anlehnung an das Konzept Schinkels neu gestaltet.

Obwohl Trauergottesdienste in der Luisenkirche stattfanden, hat es nie einen Begräbnisplatz am Ort gegeben. Die Luisenfriedhöfe I-III liegen in den Ortsteilen Lietzow und Westend.

 

Die Kirchenfenster

Neun bunte Bleiglasfenster mit biblischen Motiven befinden sich im sogenannten Ostschiff. Sie stammen vom namhaften expressionistischen Künstler Peter Ludwig Kowalski und wurden durch den Stifter Heinrich Mendelssohn aus London sowie Spenden und Sammlungen finanziert. Heute liegen sie hinter der Altarwand und leuchten mit ihren Farben in den Kirchhauptraum.

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Der Altar

Das heutige Altargemälde kam 1987 in die Luisenkirche. Es war ursprünglich von Carl Gottfried Pfannschmidt 1869/1870 für die Kapelle des Diakonissen-Krankenhauses Bethanien in Berlin-Kreuzberg geschaffen worden. Daher erklärt sich die Themenwahl der Altarbilder, die sich auf das karitative Handeln bezieht. Das Hauptbild zeigt die Beweinung Christi unter dem Kreuz, doch wird das barmherzige Tun der Personen betont: In der Mitte sitzt Josef von Arimathia und hält den vom Kreuz genommenen Leichnam auf dem Schoß. Maria kniet rechts von ihm. Ihr gegenüber umwickelt Maria Magdalena die Füße des Leichnams, zwei weitere Frauen dahinter halten den Arm des Toten. Links steht Nikodemus mit den wohlriechenden Salben und rechts Johannes, der dem T oten die Dornenkrone abgenommen hat. In der mittleren Szene im Altarsockel (Predella) sieht man drei Frauen, die am Ostermorgen mit den Salben und Ölen ausgestattet in die nun leere Grabeshöhle treten und von einem Engel begrüßt werden. Im linken Bild der Predella ist der arme Lazarus im Schoße Abrahams dargestellt , im rechten Bild der barmherzige Samariter.

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Beweinung Christi

Unter der Westempore befindet sich das Gemälde eines flämischen Künstlers, der mit dem Monogramm A S T(?) signiert. Es hat die Beweinung des Leichnams Christi zum Thema. Das auf die zweite Hälfte des 17. Jh. datierte Andachtsbild soll zur Anteilnahme am Kreuzigungstod und zum Mitleiden mit den Trauernden anregen. Der gekreuzigte Christus wird umrahmt von seinem Jünger Johannes und der Gottesmutter Maria, von Maria Magdalena und einem weiteren Apostel. Außen stehen Joseph von Arimathia und Nikodemus, die später den Leichnam salben (das Salbgefäß sehen wir rechts) und ins Grab legen, sowie eine dritte Person mit prächtigem Turban. Der Korb links enthält die Leidenswerkzeuge Christi.

 

Gedächtnismal

„Alle, die fielen in Meer und Land, sind gefallen in deine Hand; alle, die weinen in dunkler Nacht, sind von deiner Gütebewacht“: Die Schrift in der Eingangshalle erinnert seit 1959 an die Opfer des 2. Weltkrieges. Das Gedicht ist von Siegfried Goes, der selbst im 2. Weltkrieg gefallen ist.

 

Die Glocken

Die Töne der Glocken sind aufeinander abgestimmt, sie geben das häufige Te- Deum-Motiv wieder, nach dem Beginn des gleichnamigen liturgischen Gesanges (d-f-g). Die Luisenkirche hat eine alte Bronzeglocke von 1823 und zwei Stahlglocken von 1953.

 

Die Informationen zur Luisenkirche haben wir in einem Flyer zusammengestellt, den Sie hier in unterschiedlichen Sprachen herunterladen können: 

Zu einzelnen Bauteilen und Kunstgegenständen der Luisenkirche finden Sie hier weitere, ausführliche Informationen:   

 

Orgelempore der Luisenkirche mit weißer Orgel und silber-glänzenden Orgelpfeifen.

Die Orgel

Die Reil-Orgel von 2024 in der Luisenkirche

2024 wurde die Luisenkirche sowohl architektonisch als auch musikalisch bereichert: durch eine neue Haupt­orgel, ein Instrument mit spät­barockem Klang­­profil, für den Kirchen­raum passend und für den ästhetischen Anspruch der Gemeinde ohne Frage geboten. Die reparatur­bedürftige Walcker-Orgel aus dem Jahr 1968 wurde bereits 2022 entfernt und verkauft.

Die "neue alte" Orgel wird zu Recht so bezeichnet. Eigens für die Luisenkirche wurde ein Instrument neu konzipiert und produziert – dieses jedoch inspiriert durch historische Vorbilder des Barock. Das Gesamtkonzept ist eine klangliche Weiterentwicklung der Berliner Schule Joachim Wagners (1690–1749), die über seine Schüler Marx und Migendt hinausgeht und durchaus auch Anklänge an Johann Wilhelm Grüneberg beherbergt (der 1780 eine Orgel für die Luisenkirche gebaut hat). Insgesamt verfügt die Luisenorgel über ein vielseitiges, dennoch stilistisch spätbarockes Klangbild. 
 
Aufgestellt wurde die neue Orgel wie zuvor in der Mitte der Mittel­empore, aber deutlich weiter vorn als die vorherige Walcker-Orgel.  So ist das neue Instrument aus der Kirche gut sichtbar und zugleich die Klangabstrahlung in den Raum deutlich verbessert. Die Orgel ist mit einer rein mechanischen Spiel- und Register­traktur gebaut. Sie umfasst Hauptwerk, Positiv und Pedal mit insgesamt 29 Registern auf Schleifladen.
Das Positiv ist mit eigenem Prospekt mittig plaziert. Das Hauptwerk steht auf zwei Windladen rechts und links davon. Und das Pedalwerk ist, getrennt durch einen Stimmboden, im Haupt­gehäuse ganz hinten aufgestellt. Die Klaviatur mit zwei Manualen und Pedal ist zentral an der Vorderseite angelegt; das bietet kurze Traktur­wege. 
 
Trotz beschränkter Bauhöhe auf der Empore der Luisenkirche ist ein wohl­proportionierter Prospekt entstanden, der sich organisch aus den Proportionen des Raumes entwickelt. 

Die Bauzeit betrug rund ein bis zwei Jahre. Der Auftrag war bereits 2021 erteilt worden, die Arbeiten in der Orgelbau­werkstatt haben im August 2022 begonnen. Das Instrument wurde ab Dezember 2023 in der Luisenkirche installiert und schließlich bis zum Frühjahr 2024 intoniert. Die Einweihung erfolgte mit einem Festgottesdienst am 23. März 2024.

Die Gesamtkosten für Herstellung und Einbau der Luisen­orgel betragen rund 845.000 Euro. Durch Kollekten und Konzerteinnahmen, durch eine groß­zügige Einzel­spende sowie durch Zuwendungen des Landes Berlin über die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin sind davon bereits drei Viertel gesichert, so dass das Projekt starten konnte. Rund 200.000 Euro muss die Gemeinde jedoch noch aufbringen und benötigt dafür dringend Mithilfe. Bitte unterstützen Sie das Vorhaben mit Ihrer Spende. Auch mit einer Patenschaft für eine oder mehrere Orgelpfeifen können Sie den Orgelbauverein bei diesem Projekt zielgerichtet fördern.

Weitere Informationen zur Orgel und zu Orgelpfeifenpatenschaften finden Sie auf der Homepage der Luisen-Orgel.