Ökumene im Mierendorffkiez

Ökumene beginnt mit der Begegnung. Sie wächst, wenn Menschen einander kennenlernen, Unterschiede aushalten, Gemeinsamkeiten entdecken und irgendwann selbstverständlich miteinander unterwegs sind.

Genau das ist auf der Mierendorffinsel in Charlottenburg geschehen. Seit 2017 haben sich die christlichen Gemeinden im Kiez Schritt für Schritt aufeinander zubewegt. Aus ersten persönlichen Kontakten zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Gustav-Adolf und der Neuapostolischen Gemeinde Berlin-Charlottenburg entstand eine ökumenische Gemeinschaft, die inzwischen die Evangelische Kirchengemeinde Gustav-Adolf, die Neuapostolische Gemeinde Berlin-Charlottenburg, die Syrisch-Orthodoxe Gemeinde Mor Afrem, die Presbyterian Church of Ghana und – seit 2026 – die Katholische Pfarrei der Märtyrer von Berlin miteinander verbindet.

Was heute selbstverständlich wirkt, hat nie auf einem großen Konzept oder einer fertigen ökumenischen Strategie beruht. Es ist „von unten“ gewachsen: aus persönlicher Begegnung, gegenseitigem Interesse, Vertrauen und der Bereitschaft, einfach einmal gemeinsam etwas auszuprobieren.

Vom ersten Kontakt zur gewachsenen Gemeinschaft

Den Anfang bildeten Begegnungen im Stadtteil. Beim Kiezfest und im Umfeld der „DorfwerkStadt – Nachhaltige MierendorffInsel“ entstanden erste Kontakte. Aus einem privaten Treffen zwischen dem damaligen Vorsteher der Neuapostolischen Gemeinde und dem Pfarrer der Gustav-Adolf-Gemeinde entwickelte sich eine immer engere Verbindung.

Seitdem treffen sich die Verantwortlichen der Gemeinden regelmäßig. Im August 2026 fand bereits das 34. ökumenische Pastor:innentreffen statt. Zwei- bis viermal im Jahr kommen die Beteiligten zusammen – abwechselnd in den verschiedenen Gemeindehäusern und Kirchen, ergänzt durch Treffen und gemeinsame Aktivitäten aus konkretem Anlass.

Dabei ist etwas Besonderes entstanden: Die Ökumene ist nicht nur eine Kooperation von Institutionen, sondern eine persönliche Gemeinschaft. Man kennt einander, besucht sich, feiert miteinander, betet miteinander und interessiert sich füreinander. Gerade diese menschliche Ebene ist zum tragenden Fundament geworden.

Die Erfahrung zeigt: Wo Vertrauen wächst und Menschen sich ohne Vorbehalte begegnen, werden konfessionelle Grenzen durchlässiger. Unterschiedliche Traditionen werden nicht eingeebnet, sondern als Bereicherung erlebt.

Ökumene wird sichtbar

Die gewachsene Gemeinschaft bleibt nicht auf die regelmäßigen Treffen der Verantwortlichen beschränkt. Im Laufe der Jahre ist eine große Vielfalt gemeinsamer Aktivitäten entstanden.

Dazu gehören ökumenische Gottesdienste und Gebetsgottesdienste für die Einheit der Christen, die Beteiligung am Weltgebetstag, gemeinsame musikalische Veranstaltungen, Adventssingen auf dem Mierendorffplatz, Besuche und Begegnungen in den jeweiligen Gemeinden sowie gemeinsame Aktivitäten im Stadtteil.

Ein besonderes Zeichen der Verbundenheit ist dabei das gemeinsame Banner mit dem biblischen Leitwort „auf das sie alle eins seien“. Seit 2026 steht daneben ein weiterer Satz, der das gemeinsame Selbstverständnis beschreibt: „Es ist immer derselbe Gott.“

Ökumene wird so nicht nur innerhalb der Kirchen erlebt, sondern auch im öffentlichen Raum sichtbar.

Die christlichen Gemeinden sind Teil des lebendigen Netzwerks der Mierendorffinsel. Sie beteiligen sich am Kiezfest, stehen im Austausch mit der DorfwerkStadt und weiteren Akteur des Stadtteils und öffnen ihre Räume für Begegnungen. Auch Kontakte zu anderen Religionsgemeinschaften und zu Einrichtungen im Kiez sind entstanden.

Damit wird Kirche mitten im Stadtteil als ein Ort erfahrbar, an dem Menschen verschiedener Herkunft, Tradition und Konfession zusammenkommen können.